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Wege nach dem Abitur – Berufswahlorientierung am GA

Schüler/innen der Jahrgangsstufe 8 erkunden Berufsfelder im Rahmen von KAoA

Bachelor, Master, G8, Abitur im Doppeljahrgang – im Bereich der Schul- und Hochschulausbildung hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan und vieles davon verunsichert Schüler/innen und ihre Eltern. Fragen nach der passenden Berufswahl(-strategie) werden einerseits immer drängender und andererseits immer schwieriger zu beantworten. Das Studienangebot von Universitäten ist durch die Umstellung auf Bachelor- und Master-Studiengänge unübersichtlicher geworden und für viele ist es finanziell unmöglich, sich erstmal ein Orientierungssemester zu gönnen. Ausbildungsbetriebe klagen über hohe Abbrecherzahlen bzw. über Lehrstellen, die unbesetzt bleiben würden, weil es an qualifizierten Bewerber/innen mangele.
Insgesamt scheint es eine wenig beneidenswerte Situation zu sein, sich heute als junger Mensch beruflich orientieren zu müssen. Umso wichtiger sind daher Hilfestellungen durch Elternhaus und Schule.
Das GA bietet seinen Schülerinnen und Schülern seit vielen Jahren ein umfangreiches und kontinuierlich erweitertes Programm zur Berufswahlorientierung an. Ab dem kommenden Schuljahr nehmen wir teil an der landesweiten Initiative Kein Abschluss ohne Anschluss (KAoA), die es uns ermöglicht, schon in der Jahrgangsstufe (JS) 8 eine Potenzialanalyse mit allen Schülerinnen und Schülern durchzuführen. Diese wird sinnvoll flankiert von mehrtägigen Berufsfelderkundungen, u.a. dem Girls´ Day bzw. dem Boys´ Day. Hier gewinnen die Mädchen und Jungen einen ersten Einblick in die praktische Welt der Berufe. Sie verlassen an diesem Tag die Schule und besuchen Betriebe, um die Arbeitswelt vor Ort kennenzulernen. Mädchen schauen sich dabei vor allem mädchenuntypische Berufe, z. B. im Bereich von Naturwissenschaften und Technik an, wohingegen Jungen bevorzugt in für sie untypische Berufsbilder wie das des Erziehers oder Krankenpflegers hineinschnuppern. Beide Geschlechter erweitern so ihren Horizont und ihr Spektrum an beruflichen Möglichkeiten.
Außerdem wird in der JS 8 der Lüner Berufswahlpass eingeführt – ein Portfolio, mit dessen Hilfe die Jugendlichen all ihre Aktivitäten im Zusammenhang mit Berufsorientierung bis zum Ende der JS 12 dokumentieren und reflektieren können. Es ist gut vorstellbar, dass mit zunehmender Etablierung dieser Pass auch zu einem Dokument wird, das Arbeitgeber/innen z.B. in Bewerbungsgesprächen als Referenz vorgelegt werden kann und soll.
Berufswahlorientierung kann nicht allein in der Schule stattfinden. Unverzichtbar sind außerschulische Partner. Das GA hat seit mehreren Jahren eine gut funktionierende Betriebspartnerschaft mit den Firmen Aurubis, Caterpillar sowie der Sparkasse Lünen, mit welchen wir z.B. rund um das Thema Bewerbung zusammenarbeiten. In der JS 9 vermittelt die für uns zuständige Berufsberaterin der Agentur für Arbeit, Astrid Orlet,  im Rahmen der Veranstaltung BIZ im GA den Jugendlichen die Online-Angebote der Arbeitsagentur. Unter fachkundiger Anleitung können sie sich hier über Berufsbilder sowie Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten informieren. Frau Orlet begleitet unsere Schülerinnen und Schüler ab der JS 9 bis zum Abitur kompetent und sachkundig. Sie führt verschiedene Veranstaltungen durch und steht regelmäßig auch für Einzelberatungen zur Verfügung, so z.B. in einer monatlichen Sprechstunde sowie an allen Elternsprechtagen.
Noch recht jung und schon eine wichtige Lüner Institution ist die Berufs- und Studienmesse BITabi im Lüner Rathaus, an der auch unsere Schülerinnen und Schüler der Oberstufe teilnehmen. Wenn es auf das Ende der Schulzeit zugeht, bietet Frau Orlet zudem noch einmal eine wichtige Informationsveranstaltung zu allen Fragen rund um Studium, NC und Stipendien an.
Darüber hinaus verbindet das GA eine langjährige Kooperationsbeziehung mit dem Rotary-Club Lünen, der einmal jährlich mit Repräsentanten verschiedener Berufe ins GA kommt, um Fragen rund um die Berufs- und Arbeitswelt zu beantworten.
Alle Veranstaltungen bieten die Möglichkeit, Kontakte zu Berufsbildrepräsentanten aus der Praxis zu knüpfen und Informationen aus erster Hand zu erhalten.
Den vielleicht wichtigsten Baustein der schulischen Berufswahlvorbereitung stellt aber das zweiwöchige Betriebspraktikum in der JS 11 (Q1) dar. Die Schülerinnen und Schüler suchen sich selbst einen Praktikumsplatz und erleben dann vierzehn Tage lang, was es heißt, nicht mehr zur Schule zu gehen, sondern im Arbeitsprozess zu stehen. Durch die relativ späte Platzierung des Praktikums haben unsere Jugendlichen Zugriff auf hoch qualifizierte Berufsbereiche wie z.B. Medizin, Wissenschaft und Technik oder Politik. Die Praktika passen daher optimal zu den Berufen, die unsere Schülerinnen und Schüler später ergreifen. Oft sind sie das ausschlaggebende Moment für die Studien- und Berufswahl.
Nicht selten ergeben sich aus dem Praktikum auch konkrete Ausbildungsmöglichkeiten, z.B. in unseren Partnerbetrieben. Manchmal steht am Ende aber die Einsicht, dass es ein bestimmter Beruf doch nicht werden wird – auch eine wichtige und hilfreiche Erkenntnis, die vielleicht einen späteren Ausbildungs- oder Studienabbruch verhindert.
Der Bereich der Berufswahlorientierung an den Schulen ist in den vergangenen Jahren wegen seiner hohen Bedeutung für das Leben der Jugendlichen von Land und Bund systematisch gestärkt worden. Das Programm zur Berufswahlorientierung ist niemals abschließend konzipiert, sondern befindet sich in stetem Wandel, abhängend von Kooperationspartnern, bildungspolitischen Veränderungen, regionalen und schulischen Faktoren. Unser Team, bestehend aus Frau Abraham, Herrn Reimann, Frau Rinnen und mir ist bestrebt, das Gesamtprogramm laufend zu reflektieren und zu optimieren. Eine gute Einbindung der Elternschaft stellt eine aktive und fördernde Mitwirkung beim Berufswahlprozess ihrer Kinder dar. Die Entscheidung für ein passendes Studium bzw. eine geeignete Ausbildung stellt die Weichen für den gesamten weiteren Lebensweg. Trifft man hier Fehlentscheidungen, bedeutet dies zumeist eine finanzielle Belastung und Zeitverlust, von persönlicher Frustration ganz zu schweigen. Deshalb gilt für alle Beteiligten: Augen auf bei der Berufswahl!

Kirsten Boriesosdiek